Hämodialyse

Die Hämodialyse (HD) ist das Nierenersatzverfahren, das den meisten Menschen bekannt und in Deutschland am weitesten verbreitet ist. Es wird überwiegend in einem Dialysezentrum durchgeführt, aber auch von einigen Patienten selbstständig zu Hause praktiziert (Heimhämodialyse)

Seit mehr als 30 Jahren kann die Funktion der Nieren durch Hämodialyse (Blutwäsche) ersetzt werden. Ohne dieses Behandlungsverfahren würden Betroffene mit einem Nierenversagen binnen kurzer Zeit an einer inneren Vergiftung durch Stoffwechselprodukte (Urämie) sterben.

Durch die künstliche Blutwäsche verbessert sich das gesundheitliche Befinden. Die durch das Nierenversagen verursachten Symptome wie Atemlosigkeit, Wasseransammlungen im Gewebe, Übelkeit und Erbrechen sowie Juckreiz verringern sich oder werden sogar beseitigt. Die Behandlung benötigt zwar viel Zeit, trotzdem ist meist ein aktives Berufs- und Privatleben möglich. Auch gegen einen Urlaub spricht nichts: Bei rechtzeitiger Anmeldung kann die Dialyse in einem Zentrum in der Nähe des Urlaubsorts durchgeführt werden.

Wirkprinzip der Hämodialyse

Bei der Hämodialyse findet eine Blutwäsche außerhalb des Körpers statt. Es kommt ein industriell hergestellter Filter zum Einsatz, auch Dialysator genannt. Er bildet mit seinen rund 10.000 mikroskopisch feinen Dialysefasern eine Niere nach. Die Fasern sind innen hohl und haben eine halbdurchlässige Membran, die nur Teilchen passieren können, die eine bestimmte Größe nicht überschreiten.

Das Blut, das die Abbauprodukte des Körpers enthält, wird durch die Fasern geleitet, die außen von einer sterilen Dialysierlösung in entgegengesetzter Fließrichtung umspült werden. Aufgrund der unterschiedlichen Konzentration der Teilchen in den beiden Flüssigkeiten neigen die Abbauprodukte dazu, durch die Millionen kleiner Öffnungen in den Membranen in die Dialysierlösung überzutreten. Man bezeichnet diesen Vorgang als Diffusion.

Der Dialysator (künstliche Niere/Blutfilter) ist die Schnittstelle von Blut- und Dialysatkreislauf. Hier findet die eigentliche Dialyse statt. Der Dialysator besteht aus einem Kunststoffgehäuse mit den Hohlfaserbündeln als Membran (Kapillardialysator) Dialysemembranen bestehen heutzutage fast ausschließlich aus Polysulfon. Das Material ist robust und druckbeständig, biologisch verträglich und nicht blutschädigend.

Die Porengröße ist so gewählt, dass Schlackenstoffe (wie Harnstoff und Kreatinin) oder Blutsalze (zum Beispiel Kalium) und Wasser problemlos durch diese Poren durchtreten können. Großmolekulare Stoffe wie Eiweiße werden hingegen zurückgehalten. Membranen sind also halb-durchlässig (semipermeabel).

Da der Stoffaustausch umso besser gelingt, je größer die Austauschfläche ist, werden üblicherweise Dialysatoren mit 1,2 bis 1,6 Quadratmetern Oberfläche verwendet.
Neben der Entgiftung des Blutes sorgt die Dialyse bei Bedarf für die Entwässerung des Körpers. Dazu baut das Dialysegerät auf der Seite der Dialysierflüssigkeit einen Sog auf, der Wasser durch die Poren der Membran saugt und es anschließend ableitet.

Die Dialysierflüssigkeit

Die Qualität der Dialysierflüssigkeit muss hinsichtlich Reinheit und Zusammensetzung höchsten Anforderungen entsprechen.

Der Kreislauf der Dialysierflüssigkeit beginnt mit der Wasseraufbereitung. In diesem komplizierten technischen Verfahren (Umkehrosmose) wird dabei aus normalem Leitungswasser hochreines so genanntes Osmosewasser hergestellt. Der Wasserverbrauch für einen Dialysepatienten ist mit ca. 24.000 l im Jahr sehr hoch!

Vor der Verwendung als Dialysier¬flüssigkeit werden dem Reinwasser (Osmosewasser) im Dialysegerät je nach Behandlungserfordernis bestimmte Salze (Elektrolyte), u. U. Zucker (Glukose) sowie Puffer (Bikarbonat) kontrolliert zugemischt. Technisch wird dies in den meisten heute verwandten Dialysegeräten mit Hilfe einer Proportionspumpe gelöst. Dabei werden die industriell vorgefertigten Konzentrate mit dem Reinwasser zur Dialysierlösung vermischt.

Häufigkeit der Dialyse

Die Mindestanforderung sind 4 Stunden an 3 Tagen pro Woche (Mo, Mi, Fr oder Di, Do, Sa). Zur Erzielung genügender Entgiftung können längere Zeiten bis zu 6 Stunden erforderlich werden. Seien Sie geduldig: Dialysezeit ist Lebenszeit!

Mitwirkung des Patienten

Da die Dialyse nur alle 2-3 Tage stattfindet muss ein Hämodialysepatient eine Diät einhalten.

  • Begrenzung der Flüssigkeitszufuhr je nach vorhandener Restausscheidung
  • Vermeidung von Lebensmitteln mit übermäßigem Kalium, denn bei einer Anhäufung von Kalium im Körper kommt es zu schweren, unter Umständen lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen kommen. Viel Kalium ist enthalten in Obst, Obstsäften, Schokolade, Nüssen, im Kochwasser wie auch in Suppen vorhanden.
  • Dialysepatienten sollen eine kalorienreiche und vor allem eiweißreiche Ernährung zu sich nehmen.
  • Bei Bedarf Einnahme von Medikamenten (Phosphatbindern) aufgrund reduzierter Phosphatausscheidung. Dies kann zu Nebenschilddrüsenüberfunktion mit Knochenschäden, Arteriosklerose und anderen Schäden führen.
  • Medikamente gegen den Mangel an Vitaminen, insbesondere Vitamin D.

Heimdialyse- Heimhämodialyse

Verschiedene Vergleichsuntersuchungen haben weltweit gezeigt, dass im Vergleich zu Patienten, die im Dialysezentrum behandelt werden, Heimhämodialysepatienten nicht nur größere Freiheit genießen, vielmehr nimmt die Behandlung insgesamt einen günstigeren Verlauf. Die Studien zeigen alle, dass Patienten mit der Heimhämodialyse 30-40 % länger überleben, auch wenn Alter, Geschlecht, zusätzliche Krankheiten usw. der Patienten berücksichtigt werden.

Es sind einige Voraussetzungen zu beachten:

1. Das Dialysezentrum muß dafür die Voraussetzungen bieten (einschließlich Trainingsprogramm),
2. Ärzte, Schwestern und Techniker benötigen große Erfahrung  mit Heimhämodialyse besitzen,
3. Die Patient sollten für die Heimhämodialyse geeignet sein,
4. Der Patient und sein Partner müssen sich freiwillig für die Heimhämodialyse entscheiden und dann die Dialysebehandlung erlernen.

Funktion der Hämodialyse

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